Werden und Vergehen des „Alten Friedhofs“ 

Die Haslacher Kirche war bis 1850 die Pfarrkirche Traunsteins und führte den offiziellen Pfarrfriedhof. Daneben können weitere Friedhöfe angenommen werden wie jener der heute vergessenen St. Georgskirche auf dem ehemaligen Schrannenplatz (Stadtplatz). Mit der Zeit wurde der Bedarf an Grabstätten immer größer, was u. a. im Bau der Saline Au und dem damit einhergehenden Bevölkerungszuwachs ab 1619 begründet liegt. Dies bewog die Bürgerschaft dazu, eine eigene letzte Ruhestätte für sich zu beanspruchen. Stadtarchivar Franz Haselbeck nennt auch das erstarkte Selbstbewusstsein der Stadtbürger als Grund, eine Beisetzung innerhalb der Stadtmauern einzufordern. 1638 fiel der Beschluss, einen neuen „Gottesacker“ vor dem Oberen Tor - an der heutigen Ludwigstraße - zu errichten. 

„Alter Friedhof in Traunstein aus nördlicher Ansicht, gemalt von einem unbekannten Künstler, datiert um 1830.“(Foto: Veronika Leopold)

Ziel war es, das nunmehr kaum genutzte - 1405 erstmals urkundlich erwähnte -Georgskirchlein vom ehemaligen Schrannenplatz an den neuen Standort zu transferieren. Nachdem der Prälat des Klosters Baumburg in dem Kirchlein am 7. Februar 1639 die letzte heilige Messe gelesen hatte, wurde der Bau ein paar Tage später abgerissen. Die Menschen der Stadt halfen dabei, das Abbruchmaterial zum Bauplatz des neuen Friedhofs zu bringen. Am 25. März 1639 erfolgte die Weihe des Friedhofs und einen Tag später die Grundsteinlegung zur neuen Kapelle St. Georg und Katharina. Der Bauleiter war Stadtmaurer Wolf König („Khinig“), der auch mit Maria Eck und der Salinenkapelle in Verbindung zu bringen ist. Seit dem 11. Mai desselben Jahres fanden die Toten der Stadt hier ihre letzte Ruhestätte. Dass der Bau der Kapelle voll im Gange war, tangierte offenbar nicht. Die erste Beisetzung ist belegt anhand eines Gedenksteins an der Fassade links neben dem Eingang: Hanns Distl hieß der Bürger. Schließlich wurde die Friedhofsanlage 1828 fertiggestellt. Am 16. März 1909 fand die letzte Beisetzung statt, aufgelassen wurde der Friedhof am 1. Mai 1920. Ermöglicht hat dies der Neubau des 1908 eröffneten Waldfriedhofs, der bis heute in seinem ursprünglichen Auftrag steht. Der „Alte Friedhof“ wurde am 26. November 1922 als „Kriegergedächtnisanlage“ eingeweiht. 

Die Abbildung hier zeigt das um 1830 entstandene Gemälde mit dem „Alten Friedhof“, gemalt von einem unbekannten Künstler. Aus nördlicher Richtung wird unser Blick aufgrund der Wege und des Arkadenganges zum markanten Zentrum, das die Kapelle darstellt, gelenkt. Links im Vordergrund beginnend, umzäunt dieser weiße Arkadengang beinahe gänzlich den Friedhof. Zugleich kennzeichnet er die Horizontale in der Bildmitte und verstärkt die Wirkung der Raumtiefe. Auch die beiden Staffagefiguren links - schwarz gekleidet - scheinen die Kapelle mit dem Gottesacker zu studieren. (Staffage ist kein bildrelevanter Inhalt, sondern ein Mittel dazu, das Bild zu beleben.) Dieser reizvolle Arkadengang ist ein Ergebnis mehrerer Bauphasen des beginnenden 19. Jh. Leider konnte sich bis heute nur mehr die Westseite davon erhalten. Die Kapelle ist in der Länge komprimiert, ragt aber aufgrund des Spitzturms markant in die Höhe. Da ein Blitzschlag 1809 den alten Turm massiv beschädigt hatte, wurde dieser 1823 erneuert und mit dem vergoldeten Stern auf der Spitze geschmückt. Unter der Traufe der östlichen Turmseite ist die Jahreszahl „1824“ in ebenso goldschimmernden Zahlen angebracht. Der Anbau unter dem Turm - im Gemälde sichtbar - dürfte das „Beinhaus“ sein, das später abgerissen wurde. Auf den Wiesenflächen beginnen sich bereits die Grabkreuze geordnet zu mehren. 

Das Gemälde lebt durch seine klaren Abgrenzungen in Form und Helligkeit. Die untere Bildhälfte ist eher dunkel gehalten und nur anhand der Wege und Arkaden unterbrochen, während im oberen Bereich das Gebirgspanorama mit dem wolkenbehangenen und doch strahlenden Himmel das Bild zum Leuchten bringt. Die Kapelle mit ihrem grünen Spitzhelm und der Sternspitze trägt zu dieser Strahlkraft bei. 

Auf dem Gemälde nicht dargestellt ist ein vor wenigen Jahren angefertigter Kubus vor der Westfassade der Kapelle. Der Traunsteiner Künstler Rolf Wassermann errichtete aus stählernen Wortkaskaden eine Gedenkstätte, die auch als Mahnmal Wirkung zeigt. Sie birgt zwei Bronzebücher mit den Namen der gefallenen und vermissten Männer beider Weltkriege. Ein Zitat des Künstlers Wassermann von den durchbrochenen Stahlwänden lautet: „VERFÜHRT ZUM KRIEG IM GLAUBEN AN DEN SIEG VERRATEN BELOGEN INS UNHEIL GESTÜRZT (…)“. Eine zeitlose Feststellung. 

Ein besonderer Dank gilt Stadtarchivar Franz Haselbeck. 

Literatur: Haselbeck, Franz: Die Geschichte des Traunsteiner Friedhofs, in: Chiemgau-Blätter, Traunstein 2008, Nr. 29 und 30. 

Veronika Leopold
Stiftung Heimathaus Traunstein
(Mai 2022)

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